Ankunft in Broome (Australien Perth – Darwin 2015, Teil 9)

broome gantheaume point

Von Broome, dem „Tor zu den Kimberleys“ waren wir mehr als positiv überrascht. Sein Flair, seine Strände und die Tierwelt sind einmalig in Westaustralien.


In der Perlenfischerstadt Broome verbrachten wir ganze vier Tage. Das war für unsere auf nur 6,5 Wochen begrenzte Reise zwar vergleichsweise viel, doch hätten wir dort auch locker noch länger verweilen können. Broome hat nämlich überraschend viel zu bieten, gerade auch für Natur-/Tierfreunde wie uns. Das kann nicht jede Stadt von sich behaupten!

Als wir am Vormittag des 4.August das Zentrum von Broome erreichten, war unsere erste Station das Visitor Center. Hier buchten wir auch gleich zwei Plätze für eine Whale Watching Tour am nächsten Tag. Neben Exmouth und Kalbarri liegt auch Broome an der Wanderroute der Buckelwale entlang der australischen Westküste. Entsprechend gibt es auch hier mehrere Anbieter für Whale-Watching-Bootsfahrten. Wir entschieden uns letztendlich für den ältesten und beliebtesten Veranstalter mit dem Namen „Broome Whale Watching“. 

Broome – das Tor zu den Kimberleys

Mit Broome begann ein neuer Abschnitt auf unserer Reiseroute: Die Kimberleys. Diese Region im Nordwesten Australiens ist in vieler Hinsicht einzigartig und in weiten Teilen noch unerschlossen. Sehr bekannt ist die Gibb River Road, eine ungeteerte Piste, die über ca. 700 Kilometer quer durch die Kimberleys entlang einiger kleinerer Nationalparks und Sehenswürdigkeiten führt. Wie „abenteuerlich“ und sehenswert die stark beworbene Fahrt auf der Gibb River Road wirklich ist, konnten wir leider nicht beurteilen: die Straße ist, wie alle anderen Pisten in Australien, für gemietete Campervans absolut tabu.

Doch schon im Stadtzentrum von Broome merkt man, dass man die Kimberley-Region erreicht hat. Gleich vor dem Visitor Center befindet sich eine Art Park mit ausgedehnter Rasenfläche. Hier sahen wir zum ersten Mal einige Exemplare der berühmten Boab-Trees, auch Affenbrot- oder Flaschenbäume genannt. Die Boabs sind mit den afrikanischen Baobab-Bäumen verwandt und charakteristisch für die Kimberleys. Man findet sie ausschließlich in dieser Region, weshalb sie ein beliebtes Motiv für Souvenirs sind.

Ein ungewohnter Anblick waren auch die Schwarzmilane (engl. black kites), die in großer Anzahl über dem Park kreisten. Milane, Fischadler und auch Falken mitten in der Stadt – im Norden Australiens nichts ungewöhnliches. Auch in anderen Städten in den Kimberleys und im Top End machten wir diese Beobachtung.

schwarzmilan broome

Ein Schwarzmilan auf den Kabeln eines Flutlichts

Mit dem Eintritt in die Kimberley-Region trifft man aber nicht nur auf andere Tiere und Bäume – auch die menschliche Bevölkerung ist ab hier anders zusammengesetzt. In Broome begegneten wir zum ersten Mal vermehrt Aborigines. Im Nordwesten und Norden Australiens ist ihr Anteil mit bis zu 25% an der Bevölkerung deutlich höher als im Süden oder Osten des Landes.

Mangroven in China Town und der Japanese Cemetery

Im Stadtteil China Town reichen Mangroven bis an den Strand heran. Zusammen mit dem türkis-blauen Meerwasser und dem roten Sand ergeben sich hier schöne Farbkontraste. Man sollte jedoch aufpassen, wo man hintritt: Der schmale Strand ist stellenweise von Glasscherben übersäht.

Wieder im Stadtzentrum besuchten wir den japanischen Friedhof von Broome. Dieser historisch bedeutsame Ort erinnert an die vielen japanischen Perlentaucher, die bis in die 1930er Jahre in der Stadt arbeiteten. Die meisten Inschriften der Grabsteine sind auf japanisch gehalten und daher nur mit entsprechenden Sprachkenntnissen lesbar. Allgemein bekannt ist jedoch, dass viele der Perlentaucher an der Dekompressionskrankheit (Taucherkrankheit) oder in Folge eines der regelmäßig auftretenden Tropenstürme (Taifune) starben. Direkt neben dem Japenese Cemetery liegt auch ein eigener chinesischer Friedhof, der jedoch insgesamt etwas unscheinbarer wirkt. Neben den Japanern arbeiteten auch viele Chinesen in der Perlenindustrie Westaustraliens. Ihre Nachfahren leben zum Teil auch heute noch in Australien.

japanese cemetery friedhof broome

Der Japanese Cemetery in Broome

Gantheaume Point

Als nächstes fuhren wir an den südöstlichen Rand der Stadt, zum sogenannten Gantheaume Point. Die dortigen Sandsteinklippen bestechen durch ihre Farbenpracht aus Rot- und Ockertönen, umspült von dem für Broome typischen tief türkis-farbenem Meer.

broome gantheaume point

Sandstein-Felsen bei Gantheaume Point

Die extrem hohen Temperaturen auf den Felsen machten das Fotografieren zu einer echten Herausforderung. Obwohl das Meer zum Greifen nah ist, ist eine Abkühlung im Wasser in der Nähe der Felsen schwierig bis gefährlich. Weiter unten am Strand ist das Wasser dann zwar zugänglich, aber viel zu seicht. Wer in Broome Erfrischung im Meer sucht, muss einige Kilometer weiter zum Hauptzugang des Cable Beach fahren, wie wir später feststellten.

Neben den bunten Sandsteinklippen ist Gantheaume Point auch für einige Dinosaurier-Fußspuren bekannt, die man bei Ebbe besichtigen kann.

Wildlife Watching auf dem Golfplatz

Golfplätze zählen nicht unbedingt zu den typischen Touristen-Zielen. Da ich mich aber auch nicht zu den typischen Touristen zähle, gehören Golfplätze, Friedhöfe und ähnliche gut gepflegte Grünanlagen zu meinen persönlichen Top-Sehenswürdigkeiten in Australien.

Denn frisches grünes Gras, guter Zugang zu Wasser und viele Bäume üben auf eine Vielzahl von Tierarten eine enorme Anziehungskraft aus. So kommt es, dass man auf einem normalen Golfplatz oder Friedhof in der Stadt weitaus mehr Wildtiere antrifft als außerhalb der Stadt.

So auch in Broome. Unser Ziel war es, Sandwallabies (engl. agile wallabies) zu beobachten. Es handelt sich dabei um eine Wallaby-Art, die ausschließlich im Norden Australiens verbreitet ist. Kaum angekommen, entdeckten wir auch sogleich eine ganze Herde von Sandwallabies auf einer der Rasenflächen. Wir beobachteten sie noch bis zum Anbruch der Dunkelheit.

Reichlich erschöpft fuhren wir schließlich auf einen Parkplatz außerhalb der Stadt. Erstaunlicherweise ist die Stadt Broome bisher noch nicht gegen das kostenlose Campen auf dem Parkplatz vorgegangen. Entsprechend beliebt ist er als Übernachtungsmöglichkeit vor allem bei Backpackern.

sandwallaby broome

Ein männliches Sandwallaby auf einem Golfplatz in Broome

Im nächsten Teil berichte ich über unsere Walbeobachtungs-Tour mit Broome Whale Watching.

 


 

Weitere Beiträge aus meinem Reisebericht „Australien 2015 – Von Perth nach Darwin“:

Teil 1 : Beginn der Reise in Perth

Teil 2: Von Yanchep bis zum Kalbarri Nationalpark

Teil 3: Von Kalbarri über die Shark Bay nach Exmouth

Teil 4: Im Cape Range Nationalpark

Teil 5: Schnorcheln am Ningaloo Reef

Teil 6: Unterwegs im Outback

Teil 7: Im Karijini-Nationalpark

Teil 8: Fahrt nach Broome mit Halt am Eighty Mile Beach

Teil 10: Broome Whale Watching

Teil 11: Broome – Dinosaurierspuren und der Cable Beach

 

Meine Buch-Empfehlung für alle, die von Perth nach Darwin reisen wollen:

 

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2 Comments

  1. Doris 12. März 2016 at 4:30 #

    Hallo Caroline;

    Deine Fotos sind wirklich klasse, doch bei dem Bericht über die Landschaft und Orte wundere ich mich dann doch, wo Du die Informationen her bekommst. Es geht hierbei besonders um den NW von WA.
    Da ist z.B. die Aussage, dass Wittenoom eine Geisterstadt sei, das ist so nicht richtig, der Staat möchte zwar den Ort wenn möglich schon lange geräumt haben, doch noch leben dort einige Leute und die wollen dort auch nicht weg. Was „blue asbestos“ anbelangt, da ist es so wie man es findet kaum gefährlich, denn man baut es ja nicht ab, was übrigens im Untertagebau in Wittenoom geschehen ist. Übrigens gibt es Asbest überall, wo es Eisenerz gibt und mit jeder Sprengung wird also auch Asbest-Staub freigesetzt ! Eine andere Sache noch zum Asbest, der Schmuckstein „Tigerauge“ ist übrigens Asbest !
    Es ist auch nicht ganz richtig, dass man lediglich am 80-Mile-Beach an den Ozean gelangen kann. Cape Keraudren, was davor liegt (gegenüber Pardoo Roadhouse) kann auch angefahren werden, da es fast bist zum Ende geteert ist. Zudem ist die Anfahrt zur Barn Hill Station (etwa 120 km vor Broome) auch nicht viel länger als zum 80-Mile-Beach und häufig in einem besseren Zustand, da die Eigentümer dort häufiger den grader einsetzen.
    Na ja und was denn nun Broome mit dem Tor zu den Kimberley angeht, das ist alles eine PR Sache. Bis etwa 2005 nannte sich Broome noch die Pearlcoast, was aber wohl nicht so auf die Touristenzahlen gewirkt hat. Wenn man sich vor Ort genau umschaut, da merkt man dann doch schon, das es sich in Broome geologisch gesehen eher um die nördliche Pilbara handelt. Was die Boab-Bäume anbelangt, die sind dort gepflanzt worden, denn ohne das Eingreifen der Menschen beginnen die Boab-Bäume erst etwa 120 km nördlich von Broome zu wachsen, was dann schon zum Shire Derby West-Kimberley gehört. Von Broome aus sind es noch etwa 220 km bevor man auf die Gibb River Road kommt, von Derby sind es 7 km. Leider kann Derby im Ort nicht mit blauem Wasser und Strand aufwarten, dafür aber mit dem höchsten Tidenhub in Australien und riesigen Wattflächen.
    Das war nun nur ´mal so am Rande, nicht immer alles glauben, was man in den Hochglanzheftchen liest, einfach ´mal mehr Zeit nehmen und sich mit den Einheimischen unterhalten.

    In diesem Sinne weiterhin viel Spaß beim Reisen und Fotografieren.

    Doris

    • Caro
      Caro 15. März 2016 at 18:40 #

      Hallo Doris,

      Danke für Deinen Kommentar und schön, dass Dir meine Fotos gefallen!
      Meine Informationen beziehe ich vor allem aus dem von mir sehr geschätzten Reiseführer „Westaustralien und das Top End“ von Janine Günther und Jens Mohr sowie aus Online-Recherchen.
      Ob man Wittenoom aufgrund seiner verbliebenen 6 Einwohner (Quelle:Wikipedia) eine Geisterstadt nennt oder nicht ist wohl Ansichtssache. Da Wittenoom keine eigene Verwaltungs- und Versorgungsstruktur mehr besitzt und vom Betreten streng abgeraten wird, kann von einer lebendigen Stadt keine Rede mehr sein. Da der Großteil der alten Gebäude wohl noch vorhanden ist und leersteht, kann man meiner Meinung nach (und ein Reisebericht ist ja immer eine subjektive Beschreibung) durchaus von einer „Geisterstadt“ reden.

      Deine Aussage, dass der blaue Asbest im Karijini-Nationalpark „kaum gefährlich“ ist, möchte ich so aber nicht stehen lassen.
      Bei blauem Asbest handelt es sich um die tödlichste Form von Asbest. Er wurde zwischen 1937 und 1966 in den beiden Schluchten Yampire Gorge und Wittenoom Gorge abgebaut. Die freiliegenden Asbestadern z.B. in der Dales Gorge halte ich sehr wohl für gefährlich, da sich durch die fortschreitende Erosion Partikel der brüchigen Mineralfasern lösen können. Der Karijini-Nationalpark ist ein Besuchermagnet und die Parkverwaltung hat natürlich kein Interesse daran, übermäßige Angst vor dem Asbest zu schüren, weshalb sich die Warnschilder vermutlich auf das Nötigste beschränken: „Do not touch or break any rocks containing crocidolite fibres“ „Supervise children and do not let them play with fibre-containing rocks“ „Asbestos dust may cause cancer when inhaled“ (Alles wortwörtliche Warnungen der Parkverwaltung auf offiziellen Schildern und Flyern)

      Noch etwas zur Gefährlichkeit von blauem Asbest, für alle die es interessiert:
      Australien und insbesondere Westaustralien weisen die höchste Anzahl weltweit an durch Asbest verursachten Lungenkrankheiten (Asbestose/Mesothelium) auf. Das ist darauf zurückzuführen, dass blauer Asbest im ganzen Land massiv verbaut wurde. In Wittenoom bestand sogar der Bodenbelag des Schulhofes aus asbesthaltigem Schutt. Daher besteht die Gefahr einer Folgeerkrankung bei weitem nicht nur beim direkten Abbau wie zum Beispiel durch Sprengen.
      Zu diesem Thema Asbestbelastung in Wittenoom und auch dem Rest von Australien gibt es eine informative Website:
      http://www.asbestos.com/blog/2013/05/24/asbestos-town-wittenoom-australia-hundreds-affected/
      Jedes Jahr sterben ca. 500 Australier an Mesothelium. Als Beispiel wird unter anderem der Fall eines Mannes geschildert, der als Kind nur wenige Monate in Wittenoom verbrachte, in Folge dessen jedoch 45 Jahre später an einem Mesothelium-Tumor starb.
      In dem Tigerauge-Edelstein sind die Asbest-Fasern übrigens fest von Quarz umschlossen und können daher nicht eingeatmet werden.

      Zum Eighty Mile Beach:
      Du hast Recht, dass es mit Cape Keraudren und dem Barn Hill Station Stay offensichtlich noch zwei weitere, recht gut befahrbare Zugänge zum Eighty Mile Beach gibt. Cape Keraudren war mir auch bekannt, wurde von uns jedoch ausgelassen da der Zutritt zum Nature Reserve satte 10 $ pro Person kostet. Ich werde den Text bezüglich der Strandzugänge ändern, damit alles korrekt ist! Danke für diesen Hinweis.

      Zu Broome als „Tor zu dem Kimberleys“
      Mir ist klar, dass die Boab-Bäume im Stadtzentrum von Broome dort extra gepflanzt wurden. Den Titel „Tor zu dem Kimberleys“ finde ich persönlich aber durchaus sehr passend. Broome gehört ja offiziell zu den Kimberleys, auch wenn die typische Savannen-Landschaft mit den Boabs erst weiter nördlich beginnt. Auf unserer Reise empfand ich Broome wirklich wie eine Art Tor zu einem neuen Streckenabschnitt, da sich Vegetation und Tierwelt ab diesem Punkt deutlich veränderten.

      Zum Thema Broome und die Kimberley-Region werde ich demnächst noch weitere Artikel veröffentlichen! Schau doch wieder rein :)

      Schöne Grüße,

      Carolin

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