Im Karijini-Nationalpark (Australien Perth – Darwin 2015, Teil 7)

hancock gorge karijini

Im 7. Teil meines Reiseberichts stelle ich Euch den Karijini-Nationalpark im Herzen der Pilbara-Region vor.


Im Karijini-Nationalpark

Nachdem wir in der Nähe von Tom Price auf einem Parkplatz übernachtet hatten, starteten wir am 29.Juli unseren 4-tägigen Aufenthalt im Karijini-Nationalpark.

Karijini ist die größte Attraktion der Pilbara-Region und gilt als einer der landschaftlich schönsten Nationalparks Australiens. Grund dafür ist der Hamersley Range Gebirgszug. Berge wie Mount Bruce (1234m) und Mount Nameless (1115m) bestimmen das Landschaftsbild.

Berühmt ist der Park jedoch für sein ausgedehntes, durch Erosion entstandenes Schluchtensystem. Die Schluchten (engl. gorges) sind teils über 100 Meter tief und jede hat ihren ganz eigenen „Charakter“.

Im Gegensatz zum Cape Range Nationalpark bekommt man im Karijini-Nationalpark aufgrund der Trockenheit kaum Tiere zu Gesicht. Einmal sahen wir in der Dämmerung ein Euro, gelegentlich entdeckten wir auf den von der Sonne aufgeheizten Steinplatten kleine Echsen wie zum Beispiel Ringelschwanz-Agamen. Sogar die Spinifex-Tauben (engl. spinifex pigeons), für die der Park bekannt ist, zeigten sich dermaßen scheu, dass ich kein Foto zustande brachte. Im Karijini-Nationalpark stand daher die Landschaft klar im Vordergrund!

lizard karijini australia

Eine Ringelschwanz-Agame im Karijini-Nationalpark

Leider sind die Straßen im Nationalpark nicht gerade Campervan-freundlich. Obwohl mittlerweile ein Teil der Hauptstraße geteert ist, muss man immer noch mehrere Kilometer Wellblechpiste zurücklegen, um zu den Schluchten zu gelangen. Bis zur Hamersley Gorge sind es sogar 34 Pisten-Kilometer einfach, weshalb wir diese als sehr sehenswert geltende Schlucht leider auslassen mussten. Campervan-Vermietungen sehen das Fahren auf unasphaltierten Straßen eben nicht gern…

Wanderung auf den Mount Bruce

Mit seinen 1234 Metern ist Mount Bruce der zweithöchste Berg Westaustraliens. Der offizielle Wanderweg ist 9 km lang und führt bis auf den Gipfel des Berges. Im Sommer zuvor hatte ein großes Buschfeuer auf den Bergflanken gewütet, dem die gesamte spärliche Vegetation aus dünnen Bäumchen und sämtliche Hinweistafeln am Wegesrand zum Opfer gefallen sind. Jetzt im Winter blühten zwischen den verkohlten Überresten der Bäume verschiedene Wildblumen und sorgten für gelbe und violette Farbakzente.

mount bruce karijini

Der Wanderweg auf den Mount Bruce

Eine schmerzhafte Begegnung hatte ich mit dem für die Pilbara und andere Trockengebiete Australiens typischen Spinifex-Gras. Spinifex sieht aus der Ferne wie harmloses trockenes Gras aus, doch in Wirklichkeit ist es überaus widerstandsfähig und vor allem extrem spitzig. Kurz vom Weg abgekommen, auf eine unglückliche Stelle getreten und schon war es passiert: Spinifex-Grashalme bohrten sich in meine Hand, die Spitzen brachen ab und blieben in der Haut stecken. Es war äußerst schwierig, die mikroskopisch kleinen Spitzen wieder aus der Haut zu bekommen. Die meisten zeigten sich auch Wochen später noch als schwarze Punkte in Handfläche und Fingern. Schließlich entzündete sich ein Finger auch noch schmerzhaft, um den Fremdkörper loszuwerden. Mit Spinifex ist nicht zu spaßen!

Bis zum Gipfel wanderten wir nicht, jedoch hoch genug um einen guten Blick auf die Savannen-artige Landschaft des Karijini-Nationalparks zu haben: viel Braun und Rot, Spinifex, kleine Bäume und Wildblumen. Und auf eine riesige Eisenerz-Mine, die Mount Tom Price Mine, für die extra ein Teil des Nationalparks „ausgegliedert“ wurde. Das Ausmaß der Mine ist gewaltig und wird einem erst richtig bewusst, wenn man sie mit der Kamera so weit heranzoomt, dass man die winzigen Lastwagen und Muldenkipper erkennen kann, die über das Gelände fahren.

Gegen Mittag kehrten wir zum Parkplatz zurück. Es war wieder drückend heiß. Durch die vom felsigen Boden reflektierte Wärmestrahlung fühlten wir uns wie in einem Backofen. In Australien ist es oft eine Wohltat, in den schattigen und klimatisierten Campervan einzusteigen und zum nächsten Ziel zu fahren.

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Wildblumen am Fuße des Mount Bruce

Weano Gorge und Hancock Gorge

Nach der schweißtreibenden Wanderung am Mount Bruce war es eine willkommene Abwechslung, in die schattige und kühle Weano Gorge hinunterzusteigen. Dort nahmen wir auch gleich ein erstes Bad in einem der eiskalten Naturpools. Der Himmel auf Erden an einem so heißen Tag! Durch das Wasser und die vielen Pflanzen auf dem Grund und an den steinernen Wänden fühlt man sich in den Schluchten des Karijini-Nationalparks wie in einer Oase. Es war schon später Nachmittag und so blieb es für diesen Tag bei der kurzen Erfrischung in der Weano Gorge.

Was das Übernachten betrifft macht es einem der Karijini-Nationalpark nicht so leicht. Der offizielle (und daher günstige) Nationalpark-Campingplatz liegt von der Weano Gorge mehr als 70, zum Teil ungeteerte, Kilometer entfernt. In der Nähe der Weano Gorge gibt es dafür einen deutlich teureren und besser ausgestatteten Campingplatz, der von Aborigines betrieben wird. Beides war für uns an diesem Abend keine Option. So wählten wir einmal mehr die einfachste Lösung und übernachteten einfach auf dem Parkplatz vor Ort. Wer das Risiko eingeht, einmal abseits der Campingplätze zu übernachten, der wird mit einer Nacht in absoluter Stille belohnt.

Am nächsten Tag besuchten wir die Hancock Gorge. Sie gehört zusammen mit der Weano Gorge zu den tiefen und schmalen Schluchten des Karijini Nationalparks. Das Wasser ist teilweise recht tief, sodass man an manchen Stellen schwimmen oder an den Felsvorsprüngen der Wände entlang klettern muss. Da ich meine Kameraausrüstung dabei hatte (jedoch nicht mein Unterwassergehäuse), war mir die Wanderung bis zu den hintersten Pools zu riskant. Später habe ich die Entscheidung dann doch etwas bereut. Für das nächste Mal habe ich mir vorgenommen, auch bei den schwieriger zugänglichen Pools zu fotografieren.

Aber auch so fand ich in der Schlucht schöne Fotomotive. Besonders fasziniert hat mich der Kontrast zwischen dem bläulich schimmernden Wasser und den rot-braunen, von grauen Maserungen durchzogenen Felswänden.

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Farbkontraste in der Hancock Gorge

Joffre Falls

Noch am selben Tag fuhren wir zu einer weiteren Schlucht, die für einen über unzählige Felsstufen dahinplätschernden Wasserfall bekannt ist: den Joffre Falls. Über sonnige Felsterrassen und bis zu ein Meter hohe Felsblöcke steigt man in die Schlucht hinab. Unten angelangt erwartet einen ein großer Pool, der sich aus dem Wasser der Joffre Falls speist. Von dort aus muss man nur noch ein paar Meter auf einem schmalen Felsvorsprungs zurücklegen, ehe man den Wasserfall erreicht. Durch die steilen Felswände hat man das Gefühl, als stünde man in einem großen, offenen Raum. Im Zentrum der Wasserfall, der in den Wintermonaten nur wenig Wasser führt und in kleinen Kaskaden in die Schlucht hinunterfließt. Auf dem Rückweg nutzten wir die Gelegenheit um in dem sehr einladenden Naturpool noch eine Runde zu schwimmen.

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Die Joffre Falls

Unsere nächste Station im Karijini-Nationalpark, die Knox Gorge, lag nur wenige Kilometer entfernt. Wir erreichten den Parkplatz bei Sonnenuntergang und übernachteten in der Nähe.

Knox Gorge

Am Vormittag des 31.Juli stiegen wir über einen steilen, felsigen Pfad in die Knox Gorge hinab.

Auch diese Schlucht ist über 100 Meter tief. Auf ihrem Grund, der durch die weit auseinander liegenden Wände besonders lichtdurchflutet ist, findet man viele kristallklare Pools, Wasserkaskaden und hohe Bäume. Der Oasen-Faktor ist hier besonders ausgeprägt. Vor allem die grün leuchtenden Pools zu Beginn der Schlucht haben es mir angetan. Aber auch das Durchwandern der Gorge bis zu einem Punkt, an dem sich die Schlucht extrem verschmälert, sollte man sich nicht entgehen lassen. Insgesamt verbrachten wir fast 5 Stunden auf dem Grund der Knox Gorge mit Wandern, Schwimmen und Fotografieren.

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Ein einladender Pool in der Knox Gorge

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Das Ende des Wanderwegs in der Knox Gorge

Dales Gorge

Da wir nicht über die Kalamina Gorge fahren konnten (die Straße ist nach der Sackgasse Richtung Knox Gorge und Joffre Falls nur noch für Allradfahrzeuge freigegeben), mussten wir einen ca. 80 km langen Umweg fahren, um in den östlichen Teil des Nationalparks mit der Dales Gorge zu gelangen.

Die Dales Gorge ist die wohl bekannteste und meistbesuchte Schlucht im Karijini-Nationlpark. Das liegt zum einen am angrenzenden Campingplatz und zum anderen an der leichten Zugänglichkeit. Besondere Attraktion ist der kreisrunde Circular Pool, den man recht schnell erreichen kann.

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Der sogenannte Circular Pool

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Wasserkaskaden in der Dales Gorge

Durch die breite und üppig bewachsene Schlucht kann man bis zu einem Wasserfall mit Badepool, den Fortescue Falls, wandern (zu dem es auch einen Direktzugang gibt, der während unseres Aufenthalts aber gesperrt war). Ähnlich wie die Knox Gorge handelt es sich um eine sehr schöne Schlucht, wenn auch deutlich überlaufener. Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es jedoch…

Blauer Asbest

Blauer Asbest ist ein hochgiftiges, krebserregendes Mineral, das bis in die 1960er Jahre in der Pilbara-Region abgebaut wurde. Es war lange Zeit ein aufgrund seiner Eigenschaften hoch gefragter Rohstoff, der zur Dämmung von Häusern und in allen möglichen Produkten, von Elektronik bis hin zur Gasmaske, verwendet wurde. Bis man herausfand, wie giftig Asbest ist. Die Nachfrage brach ein, die Mine, die nur ein paar Kilometer vom Karijini Nationalpark entfernt liegt, wurde geschlossen. Das kleine Städtchen Wittenoom ist heute eine von Asbest-Staub kontaminierte Geisterstadt, viele ehemalige Bewohner sind an Folgekrankheiten wie Krebs gestorben. Es dauert oft 30 bis 50 Jahre, bis die Krankheiten ausbrechen.

Die Asbest-Adern findet man nach wie vor in Schluchten wie der Wittenoom Gorge oder der Yampire Gorge, bei denen vom Betreten abgeraten wird – und in der beliebten Dales Gorge.

Die Asbest-Adern in der Dales Gorge ist mit nur ca. 2 cm Breite zwar sehr klein, aber nicht schwer zu finden. Sie wurden von der Erosion freigelegt und verlaufen auf dem Grund der Schlucht in der Nähe des Abstiegs. Der Asbest ist durch seine blau-graue Farbe und faserige Struktur sehr auffällig.

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Blauer Asbest auf dem Grund der Dales Gorge

Niemand kann genau sagen (oder will es nicht sagen?) wie gefährlich der Asbest in der Dales Gorge tatsächlich ist. Wir haben uns nur kurz im Bereich der Asbest-Adern aufgehalten, da uns die Sache nicht ganz geheuer war. Man sollte den Asbest auf keinen Fall anfassen und unbedingt vermeiden, Teilchen davon einzuatmen. Theoretisch reicht nämlich schon ein einziges eingeatmetes Partikel aus, um Jahrzehnte später schwer krank zu werden. Manche Australier scheinen sich jedoch nicht allzu sehr um die Gefahren von Blauen Asbest zu kümmern und besuchen trotz Warnungen weiterhin die Yampire Gorge und Wittenoom.

Die Dales Gorge war die letzte Station auf unserer Tour durch den Karijini Nationalpark. Im Anschluss fuhren wir noch zum Visitor Center für eine Dusche, ehe wir die Weiterfahrt Richtung Küste antraten.


 

Weitere Beiträge aus meinem Reisebericht „Australien 2015 – Von Perth nach Darwin“:

Teil 1 : Beginn der Reise in Perth

Teil 2: Von Yanchep bis zum Kalbarri Nationalpark

Teil 3: Von Kalbarri über die Shark Bay nach Exmouth

Teil 4: Im Cape Range Nationalpark

Teil 5: Schnorcheln am Ningaloo Reef

Teil 6: Unterwegs im Outback

Teil 8: Fahrt nach Broome mit Halt am Eighty Mile Beach

Teil 9: Ankunft in Broome

Teil 10: Broome Whale Watching

Teil 11: Broome – Dinosaurierspuren und der Cable Beach

 

Meine Buch-Empfehlung für alle, die von Perth nach Darwin reisen wollen:

 

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