Unterwegs im Outback (Australien Perth – Darwin 2015, Teil 6)

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Westaustralien ist auch bekannt als der Outback-Staat. Das wird einem besonders gut auf dem Weg von der Küste zum Karijini Nationalpark deutlich. Hunderte Kilometer Highway ohne ein einziges Roadhouse geschweige denn eine Siedlung sind typisch für das dünn besiedelte Westaustralien und machen einen großen Anteil an dessen Reiz aus. Der 6. Teil meiner Beitragsreihe zu unserer Reise von Perth nach Darwin gibt ein paar Impressionen von dieser interessanten Teilstrecke.


Abschied vom Cape Range Nationalpark

Nach fünf Tagen mit überwiegend schlechtem Wetter verließen wir am 27.Juli den Cape Range Nationalpark und fuhren zurück nach Exmouth.

Auf der Fahrt machten wir kurz Halt am Jurabi Turtle Centre, wo man sich über die drei Arten von Meeresschildkröten informieren kann, die jedes Jahr zur Eiablage die umliegenden Strände aufsuchen: die Grüne Meeresschildkröte (engl. Green Turtle), die Unechte Karettschildkröte (engl. Loggerhead Turtle) und die Echte Karettschildkröte (engl. Hawksbill Turtle).
Auf den Informationstafeln des Turtle Centres stehen allerlei interessante Fakten über das Leben der Meeresschildkröten. Neu für uns war beispielsweise, dass Grüne Meeresschildkröten erst mit einem Alter von 20 bis 50 Jahren geschlechtsreif werden und zu dem Strand zurückkehren, an dem sie geschlüpft sind.

Auch den Leuchtturm von Exmouth ließen wir nicht aus. Von dort aus hat man einen schönen Ausblick auf die flache, karge Landschaft und die langen Sandstrände des North West Cape. Die Sicht reichte sogar bis zur östlichen Küstenlinie der Halbinsel.

Vor der ca. 680 km langen Fahretappe zum Karijini Nationalpark standen noch einige organisatorische Dinge in Exmouth an. Die wichtigste Anlaufstelle war hierbei das Visitor Center. Dort konnten wir die dringend benötigte Dusche ebenso abhaken wie das Auffüllen des Wassertanks (der in unserem Campervan immerhin stattliche 57 Liter umfasst) und dank kostenlosem Wifi ein Lebenszeichen nach Hause senden. Nach Einkauf und Tanken konnte die Fahrt dann endlich losgehen.

Unsere Route für die Fahrt zum Karijini Nationalpark:

Nach ein paar Tagen an einem Ort ist es immer ein schönes Gefühl, wieder „on the road“ zu sein, auch wenn wir den Cape Range Nationalpark aufgrund der vielen Tiere und des faszinierenden Ningaloo Reefs nur ungern verlassen hatten. Einfach losfahren, ohne zu wissen wo man übernachten wird – das ist die ultimative Freiheit. Und diese Art zu reisen ist in Westaustralien zum Glück auch noch problemlos möglich.

Durch die von riesigen Termitenhügeln durchzogene Steppenlandschaft fuhren wir die kaum befahrene Landstraße südlich von Exmouth entlang. Schafe weideten in dem trockenen Gras, vom eisenhaltigen Staub hatte ihr Fell eine rostbraune Farbe angenommen.

termitenbau

Termitenbau an der Straße südlich von Exmouth

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Termitenbauten prägen das Landschaftsbild entlang der Minilya-Exmouth Road

Wir zweigten schließlich auf den Anschlusshighway Burkett Road Richtung Landesinnere ab. Bei Sonnenuntergang trafen wir auf ein Rotes Riesenkänguru (engl. Red Kangaroo). Unsere erste und einzige Begegnung mit einem wilden Roten Riesen während der gesamten Reise. Als wir anhielten, um aus dem Auto heraus ein paar Fotos zu schießen, wurde es leider sofort panisch und verhedderte sich auf der Flucht fast im Draht eines Viehzauns.

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Ein Rotes Riesenkänguru

Für die Nacht hielten wir an einem einfachen Highway-Parkplatz. Einer der schönsten Schlafplätze den wir in Westaustralien hatten, denn Verkehr war auf dieser Straße faktisch nicht vorhanden. In der Nacht herrschte diese absolute Stille, die ich an der Verlassenheit Westaustraliens so mag, in der Dämmerung hingegen ein Vogelgezwitscher, als säße man im Dschungel.

parkplatz roadside stop western australia

Sonnenuntergang an einem Parkplatz am Highway

Auf dem Highway durch das westaustralische Outback

Der 28.07. war dann wieder ein klassischer „Fahrtag“. Wir hatten die Küste hinter uns gelassen und waren nun auf dem Weg in die Pilbara-Region, einem der wichtigsten Eisenerz-Abbaugebiete des Landes. Dort befindet sich auch der Karijini Nationalpark, der mit seinem tiefroten, von Wasser durchflossenen Schluchtensystem als einer der landschaftlich schönsten Nationalparks Australiens gilt. Oberhalb der Schluchten wird das Landschaftsbild in und um den Karijini Nationalpark durch den Gebirgszug Hamersley Range bestimmt.

Neben dem Eisenerz ist die Pilbara-Region auch für einen anderen Rohstoff bekannt, der heutzutage allerdings einen mehr als schlechten Ruf hat: blauer Asbest. Aber dazu mehr in meinem Beitrag über den Karijini Nationalpark.

Der Weg zum Karijini Nationalpark führt über hunderte Kilometer Highway durch das Outback. Der Begriff Outback steht wie kaum ein anderer für den Kontinent Australien. Er bezeichnet im Grunde alle Regionen fernab der Zivilisation. Westaustralien besteht zu weiten Teilen aus dem „typischen“ Outback, wie man es sich als Europäer vorstellt. Eine trockene, baumlose Halbwüste mit rostroter Erde, soweit das Auge reicht. Darüber ein stets wolkenloser, strahlend blauer Himmel.

Auf der einzigen Asphaltstraße weit und breit kommt einem nur selten ein anderes Fahrzeug entgegen. Der geringe Verkehr auf den Outback-Highways lässt sich in zwei Kategorien einteilen: Auf der einen Seite die Reisenden mit Campervan, Caravan oder Backpacker-Kombi und auf der anderen die sogenannten Road Trains. Roadtrains sind Lastwagen in der XXL-Version. Sie sind zwischen 36 und 53 Meter lang und können bis zu 135 Tonnen Nutzlast ziehen. Man kann sich denken, wie lang der Bremsweg solcher Kolosse sein muss, wenn sie mit bis zu 100 km/h auf den Highways unterwegs sind. Ein ungeschriebenes Gesetz des Outbacks lautet daher:  „Der Road Train hat immer Vorfahrt!“ Auf der Strecke nach Tom Price begegnet man vor allem Roadtrains mit schweren Stahlcontainern (bis zu 4 Stück an einem Zugfahrzeug), die zu den Minen unterwegs sind.

Vor einer Fahrt durch das Outback sollte man sicherheitshalber immer volltanken. Zum Glück hatten wir das vor der Abfahrt noch getan, denn über fast 500 km kamen wir an keinem Roadhouse und auch an keiner Siedlung vorbei.

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Blick vom Highway auf den in der Ferne liegenden Gebirgszug Hamersley Range

Hunderte Kilometer durch das Outback – wie sieht es da mit Tieren aus? Wie man es sich angesichts der dort vorherrschenden Trockenheit (zwischen Juni und November fällt im Landesinneren kein Tropfen Regen!) denken kann: eher dürftig. Tagsüber wirkt das Outback wie ausgestorben. Die wenigen Tiere, die in den australischen Halbwüsten leben (z.B. Rote Riesenkängurus, Emus, verschiedene Echsen und Schlangen) verbringen die Tagesstunden meist vor der Sonne geschützt im Schatten von Büschen. Zudem benötigen sie Zugang zu Wasser, was ganzjährig ein rares Gut ist. In diesem Zusammenhang haben beispielsweise die Roten Riesenkängurus von der Ausbreitung großer Rinder-Farmen in Australien profitiert, da sie durch die Viehtränken neue und vor allem zuverlässige Wasserquellen erhielten. Die Riesenkänguru-Population hat sich so in den letzten Jahrzehnten vergrößert. Kängurus begegnet man entlang der Highways dennoch nur selten.

Viel wahrscheinlicher ist es, dass man während der Fahrt immer wieder Kadaver überfahrener Kängurus am Straßenrand liegen sieht. Zumeist wurden die Beuteltiere nachts von einem der Roadtrains erfasst. Von dieser leicht zugänglichen Nahrungsquelle profitieren Greifvögel wie zum Beispiel der prächtige Keilschwanzadler (engl. Wedge-tailed Eagle). Sie sind die Könige des Outbacks.

Während der Fahrt sahen wir einmal gleich drei Keilschwanzadler, die sich um ein totes Rotes Riesenkänguru versammelten. Wir wendeten, fuhren langsam an die Stelle heran, damit ich aus dem Van heraus ein paar Fotos schießen konnte. Den Adlern war die Situation aber offensichtlich suspekt und sie flogen schon davon bevor ich sie richtig im Blickfeld hatte.

Seltsame Felsen und das Rätsel von „Nummer 5“

Obwohl wir keine Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke eingeplant hatten, brachten wir es auf zwei interessante Zwischenstopps.

Beim ersten handelte es sich um eine Ansammlung riesiger, abgerundeter Felsen, die durch ihren hohen Eisenanteil einen kräftigen, rostroten Farbton angenommen hatten. Wir parkten neben dem Straßenrand, kletterten unter einem schon leicht ramponierten Viehzaun aus Draht hindurch und erkundeten die ungewöhnlichen Felsen. Sie erinnerten mich an Bilder aus den Nationalparks im Roten Zentrum Australiens, die ich einmal gesehen hatte. Die zum Highway gewandten Felsen zierten zum Teil Grafittis aus den 80er Jahren (zumindest lässt ihr Wortlaut das vermuten). Vom höchsten der Felsen aus genossen wir den Ausblick auf die nicht enden wollende Steppe um uns herum. Die Sonne knallte vom wolkenlosen Himmel herab und wir kamen schon bei der geringsten Anstrengung ins Schwitzen – ein echtes Kontrastprogramm zu den kühleren Tagen im Cape Range Nationalpark. Ich fragte mich, wie die Felsen wohl an diesen Ort gekommen waren und wodurch sie die abgerundeten Formen erlangt hatten.

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Rote Felsen am Highway Richtung Tom Price

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Unser Campervan im Outback

Unser zweiter Stopp führte uns zu einem verrosteten Autowrack, das etwa 150 Meter von der Straße entfernt in der Landschaft lag. Ich hatte es vom Highway aus erspäht und aus Neugierde drehten wir um und hielten an, um es uns genauer anzusehen. Während ich ein paar Fotos schoss machte sich Flo daran, Fabrikat und Alter des Wagens herauszufinden. Leider ohne Erfolg. Es handelte sich um einen alten Nissan, das war aber auch schon alles was wir herausfinden konnten. Das Design des Autos deutete auf ein Modell aus den späten 1960er bis frühen 1970er Jahren hin. Der Nissan hatte offensichtlich schon einmal gebrannt, war von Vandalen zerbeult worden, die Sitze und meisten Teile des Innenraums fehlten und das Heck war von Einschusslöchern übersäht. Ein interessantes Detail war eine aufgesprühte „5“ auf einer der verrosteten Türen. Was hatte die wohl zu bedeuten? Das Überbleibsel eines Rennens vielleicht? Wann mag das wohl gewesen sein? Und überhaupt, wem hat der Wagen gehört? Erfahren werden wir all das natürlich nie. Aber wer interessiert sich nicht für die Geschichte von zurückgelassenen Dingen aus vergangenen Zeiten?

Autowracks am Straßenrand wie „Nummer 5“ sind entlang der Highways Westaustraliens und des Northern Territorys kein allzu seltener Anblick. Es ist eben günstiger, sein Auto im Outback liegenzulassen, anstatt es über hunderte Kilometer zum nächsten Ort abschleppen zu lassen.

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Ein Autowrack im westaustralischen Outback

Nach vielen Stunden Autofahrt kamen wir schließlich wieder in der Zivilisation an. In Paraburdoo füllten wir als erstes den inzwischen nahezu vollständig (6l waren noch im Tank) leer gewordenen Benzintank unseres Campervans wieder auf. Ein gigantischer grüner Muldenkipper in Paraburdoo verdeutlicht, dass man sich im Eisenerz-Abbaugebiet Pilbara befindet. Die Bewohner von Paraburdoo und Tom Price sind überwiegend Arbeiter in einer riesigen Eisenerzmine nahe dem Karijini Nationalpark.

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Ein riesiger Muldenkipper in Paraburdoo, der früher im Eisenerz Tagebau eingesetzt wurde

Nach weiteren 80 km Fahrstrecke erreichten wir bei Sonnenuntergang die 2700-Einwohner-Stadt Tom Price, das Zentrum der Pilbara-Region.  Als Übernachtungsort wählten wir einen Parkplatz einige Kilometer außerhalb der Stadt, von dem wir am nächsten Tag weiterfahren wollten in den Karijini Nationalpark.


Weitere Beiträge aus meinem Reisebericht „Australien 2015 – Von Perth nach Darwin“:

Teil 1 : Beginn der Reise in Perth

Teil 2: Von Yanchep bis zum Kalbarri Nationalpark

Teil 3: Von Kalbarri über die Shark Bay nach Exmouth

Teil 4: Im Cape Range Nationalpark

Teil 5: Schnorcheln am Ningaloo Reef

Teil 7: Im Karijini-Nationalpark

Teil 8: Fahrt nach Broome mit Halt am Eighty Mile Beach

Teil 9: Ankunft in Broome

Teil 10: Broome Whale Watching

Teil 11: Broome – Dinosaurierspuren und der Cable Beach

 

Meine Buch-Empfehlung für alle, die von Perth nach Darwin reisen wollen:

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