Schnorcheln am Ningaloo Reef (Australien Perth – Darwin 2015, Teil 5)

Grüne Meeresschildkröte Ningaloo Reef

Vom 22.07. – 27.07.2015 besuchten wir den Cape Range Nationalpark in Westaustralien. Die Strände des Nationalparks sind der ideale Ausgangspunkt zum Erkunden der Unterwasserwelt des zum UNESCO Welterbe erklärten Ningaloo Reef. Unsere Erfahrungen beim Schnorcheln an den verschiedenen Spots gibt es hier in meinem Reisebericht Teil 5.


Schnorcheln am Ningaloo Reef

Das Schnorcheln am Ningaloo Reef sollte das Highlight unserer Australien-Reise werden und war auch das wichtigste Argument dafür, die Westküste zu bereisen. Ein Highlight war es dann auch – obgleich das Wetter an diesen sechs Tagen scheinbar alles daran setzte, uns den Schnorchel-Spaß zu vermiesen. Gerade einmal an zwei Tagen hatten wir überwiegend Sonnenschein, in der restlichen Zeit war der Himmel von einer endlosen Wolkenschicht bedeckt. Meistens wehte dazu noch ein kräftiger Wind, der die gefühlte Temperatur auf ca. 15 °C herabsenkte. Die dunklen Wolken und der Nieselregen ließen uns fast vergessen, dass wir uns gerade in Australien befanden, noch dazu in der ariden (also extrem niederschlagsarmen) Klimazone.

Wir versuchten das schlechte Wetter so gut es ging zu ignorieren und unternahmen pro Tag mindestens einen ausgedehnten Schnorchelgang. Bei den ca. 20 °C Wassertemperatur hätte etwas mehr Sonnenschein die Sache jedoch um einiges angenehmer gemacht. Höhere Wassertemperaturen herrschen im australischen Sommer vor, dann ist es über Wasser aber auch drückend heiß und Taifunsaison. Der Winter von März bis November ist daher die Hauptsaison am Ningaloo Reef.

In weiser Voraussicht hatten wir uns wenige Tage vor der Abreise noch Ganzkörper-Anzüge aus 2 – 3 mm Neopren zugelegt. Ein Kauf, der sich gelohnt hat. Gerade an den stürmischen Tagen hätten wir es ohne die Anzüge wohl nur wenige Minuten im Wasser ausgehalten.

Zum Fotografieren verwendete ich meine alte Sony Alpha 350 DSLR, wasserdicht verpackt in einem Ewa-Marine „Unterwassergehäuse“.
Dieses lässt sich am besten als wasserdicht verschließbarer Plastikbeutel mit einer Ausstülpung und runder Glasscheibe für das Objektiv beschreiben. Der EwaMarine-Beutel ist eine zwar wenig ergonomische aber dafür preisgünstige Alternative zu den teuren Unterwassergehäusen aus Plexiglas.

Schnorcheln Ningaloo Reef

Ausgestattet mit Neoprenanzug und sicher verpackter DSLR startete ich ins Schnorchelvergnügen am Ningaloo Reef. Der dunkle Bereich im Meer ist das Korallenriff

Verglichen mit der nahezu ausgestorbenen Unterwasserwelt im Mittelmeer (gnadenloser Überfischung sei Dank!) ist das Schnorcheln am Ningaloo Reef  immer eine spannende Sache. Dennoch stellten wir einige deutliche Unterschiede zwischen den Schnorchelspots fest, die ich Euch nicht vorenthalten will. Um den besten Schnorchel-Spot im Cape Range Nationalpark ausfindig zu machen, testeten wir alle Strände, die als empfehlenswerte Schnorchel-Ausgangspunkte gelten:

Turquoise Bay – Bay Loop

Turquoise Bay ist die wohl bekannteste Bucht im Cape Range Nationalparks. Es gibt dort zwei Schnorchelmöglichkeiten: den Bay Loop und den Drift Loop.

Der Bay Loop war der erste Schnorchelplatz in unserer „Testreihe“. Um die Korallen zu erreichen, muss man im Vergleich zu anderen Stränden etwas weiter hinaus schwimmen. Das Wasser ist mit bis zu vier Metern recht tief, man befindet sich also in einigem Abstand über dem Riff. Wir sahen verhältnismäßig viele größere Fische wie zum Beispiel Einhornfische oder Papageifische. Auf einem großen Felsen entdeckte ich einige kleine Clownsfische, die sich in Seeanemonen versteckten. Ebenso scheinen sich die Grünen Meeresschildkröten (engl. Green turtle) gerne in der Turquoise Bay aufzuhalten. Wir trafen gleich drei Mal auf die eleganten Meeresreptilien (davon aber vermutlich zweimal auf dasselbe Exemplar), die seelenruhig Wasserpflanzen vom Meeresgrund fraßen. Leider war die Sichtweite und die Lichtverhältnisse unter Wasser recht schlecht, was sich auf meine Meeresschildkröten-Fotos negativ auswirkte. Das Wasser kam uns vergleichsweise trüb vor, ich kann aber nicht sagen ob das immer so ist.

green turtle grüne meeresschildkröte Turquoise Bay Ningaloo Reef

Eine Grüne Meeresschildkröte schwebt durch die Turquoise Bay

Zusammenfassung: Ein guter Schnorchelspot mit vielen Fischen und der Chance auf Sichtung einer Meeresschildkröte. Im Vergleich zu anderen Schnorchelspots sind die Korallen weit weg und die Sicht war eher schlecht. Meine Wertung für den Bay Loop ist daher: 3,5 von 5 Seesternen!

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Turquoise Bay – Drift Loop

Der Drift Loop gleich nebenan unterscheidet sich deutlich vom Bay Loop: Die Korallen reichen deutlich näher an den Strand heran und liegen in sehr seichtem Wasser, sodass man hier nur bei ausreichend hohem Wasserstand schnorcheln sollte. Bei unseren Schnorchelgängen war die Sicht am Drift Loop deutlich besser als im Bay Loop, der Korallenteppich ist weiter draußen sehr dicht und wird von einer Vielzahl interessanter Fische bevölkert. Insgesamt ein sehr empfehlenswerter Schnorchelspot. Allerdings sollte man sich vor dem Schnorcheln mit den „Besonderheiten“ des Drift Loop vertraut machen:

Seinen Namen erhielt der Drift Loop aufgrund der dort vorherrschenden Strömung, von der man sich über das Riff hinweg ziehen lassen kann. Der kritische Punkt ist dabei das rechtzeitige „Aussteigen“ aus der Strömung, indem man zurück zum Strand navigiert. Die Strömung wird ab einer Sandbank, auf den Warnschildern als „Sandy Point“ bezeichnet, nämlich zunehmend stärker und kann sich zu einem regelrechten Sog entwickeln, der einen auf das offene Meer hinauszieht.
Wir wussten zwar um die Strömung Bescheid, jedoch nicht darüber, dass deren Stärke so drastisch variieren kann.

Und so kam es, dass bei unserem ersten Durchschwimmen des Drift Loops die Strömung am Ende des Strandes gerade ihr absolutes Maximum an Stärke erreicht hatte (was wir natürlich nicht ahnten). Während Flo schon in Richtung Strand geschwommen war, ließ ich mich immer noch von der Strömung treiben und fotografierte Fische. Als ich selbst in Richtung Strand schwamm (zu der besagten Sandbank, bei der man spätestens das Wasser verlassen soll) wurde die Strömung immer stärker und stärker. Schon bald hatte sie mich soweit mitgezogen, dass ich mich am Beginn des großen Soges befand, der das Wasser durch eine Lücke im Korallenriff auf das offene Meer hinauszieht. Nur wenige Meter vom Strand entfernt, schwamm ich mit aller Kraft gegen die Strömung an und kam doch keinen Zentimeter voran. Ich bekam einfach keinen Boden unter die Füße. Da ich meine Kamera dabei hatte, konnte ich zu allem Überfluss auch noch meine Arme nicht richtig einsetzen. Ich bekam langsam Panik, da mich meine Kräfte verließen und mir dämmerte, dass ich es eigener Kraft nicht an den Strand schaffen würde. Wenn mich die Strömung mitrisse, wo würde ich dann landen? Doch zum Glück hatte Flo es bereits ans Ufer geschafft und beobachtete meine Strapazen. „Ich schaffs nicht!“ rief ich ihm zu und schon kam mir mein Retter in der Not zur Hilfe – bloß hatte er dummerweise seine Flossen am Strand abgelegt. Er schaffte es, mich soweit aus der Strömung zu ziehen, dass ich mit meinen Füßen den Boden erreichen konnte. Dabei wurde er selbst noch einmal mitgerissen und musste wie ein Verrückter mit Armen und Beinen paddeln, um wieder herauszukommen.
Dieser unerwartete adrenalinreiche Zwischenfall gab uns ein bisschen zu denken.

Ein Schild in der Nähe des Strandes weist darauf hin, dass die Strömungen in der Turquoise Bay stark vom Wetter, den Gezeiten und dem Wellengang auf dem offenen Meer abhängig sind. Und tatsächlich, zu einem anderen Zeitpunkt war die Strömung kaum noch vorhanden. Wir hatten den denkbar schlechtesten Zeitpunkt erwischt und die von außen harmlos wirkende Strömung etwas unterschätzt. Wer sicher gehen will, sollte am Drift Loop generell nicht zu weit hinaus schwimmen und auf jedenfall schon vor der Sandbank das Wasser verlassen. Außerdem rate ich dazu, niemals ohne Flossen am Drift Loop schnorcheln zu gehen!

Schild Drift Loop Strömung Ningaloo Reef

Ein Schild in der Nähe des Strands zeigt das Zustandekommen der Strömungen in der Turquoise Bay (Hier ergänzt durch Beschriftungen von mir)

Papageifisch Ningaloo Reef

Ein bunter Papageifisch (engl. Surf Parrotfish, lat. Scarus Rivulatus), im Vordergrund ein Sträflings-Doktorfisch

blaue Fische turquoise bay ningaloo reef

Ein Schwarm kleiner blauer Fische über den Korallen

Die fast lückenlose Korallenlandschaft mit einer Vielzahl an Fischen hat mir gut gefallen, die Strömung hingegen kann gefährlich werden, daher erhält der Turquoise Bay Drift Loop von mir  4 von 5 Seesternen !

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Oyster Stacks

Oyster Stacks stellte sich im Nachhinein als der unangefochten beste Schnorchelspot im ganzen Nationalpark heraus. Leider konnten wir dort nur ein einziges Mal schnorcheln, da an den darauffolgenden Tagen der Wasserstand auch während der Flut zu gering war, um über die Korallen hinwegzuschwimmen. Tabellen im Visitor Center und in den Toiletten im Nationalpark geben über die zum Schnorcheln ungeeigneten Tage Auskunft: jeden Monat sind das bis zu sieben Tage. Wir erwischten gerade noch den letztmöglichen Schnorcheltag, bevor der Wasserstand zu gering wurde.

Oyster Stacks ist ein felsiger Strand, und man muss erst einmal scharfkantige Steinplatten überwinden, um ins Wasser zu gelangen. Hat man das geschafft, trennen einen nur noch wenige Meter von den ersten Korallen. Das Ningaloo Reef reicht bei Oyster Stacks sehr nah an den Strand heran und zeigt sich als ein dichter, intakter Korallenteppich. Auch als die Flut gerade ihr Maximum erreicht hatte, trennten uns nur ca. 20 Zentimeter von den obersten Spitzen der Korallen.  Der Artenreichtum an Meerestieren übertraf alles, was wir bis dato gesehen hatten: mehrere Arten von Papageifischen, Seesterne, Riesenmuscheln und ein riesiger Schwarm gelber  Sträflings-Doktorfische (engl. Convict surgeonfish) machten diesen Schnorchelgang zu einem echten Erlebnis ! Egal wo ich hinsah – überall schwammen Fische in allen möglichen Farben und Formen um mich herum.

Sozusagen als krönenden Abschluss sahen wir nach dem Schnorcheln noch einen Buckelwal unmittelbar hinter der Riffkante aus dem Wasser springen. Es handelte sich um eine Buckelwal-Mutter mit Kalb – zwei von vielen tausenden Buckelwalen, die jährlich vor der Westküste Australiens entlangziehen.

Schwarm Sträflings-Doktorfische Ningaloo Reef Oyster Stacks

Ein Schwarm Sträflings-Doktorfische

Papageifische Ningaloo Reef Oyster Stacks

Zwei verschiedene Arten von Papageifischen bei Oyster Stacks

Korallen Ningaloo Reef blau

Diese blau leuchtenden Korallen sind typisch für das Ningaloo Reef

Halfterfisch Ningaloo reef

Ein Halfterfisch

Riesenmuschel Ningaloo Reef

Eine Riesenmuschel bei Oyster Stacks

Aufgrund der überragenden Artenvielfalt vergebe ich für Oyster Stacks die volle Punktzahl: 5 von 5 Seesternen!

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South Mandu

South Mandu entpuppte sich als ein eher mässig guter Ort zum Schnorcheln. Es waren zwar Korallen vorhanden, die auch nah an den Strand heranreichten und im seichten Wasser lagen, jedoch fiel die Fischvielhalt erstaunlich gering aus. Im Grunde schien sich nur eine Fischart dort wohl zu fühlen: relativ kleine, schwarze Fische, die sich gern zwischen Korallenästen versteckten. Die vielen anderen, bunten Fischarten, wie sie bei Oyster Stacks zu finden sind, suchten wir vergeblich. Verglichen mit Turquoise Bay und Oyster Stacks machten die Korallen auch an vielen Stellen einen schlechten Eindruck.

schwarzer Fisch South Mandu Ningaloo Reef

Diese Fischart bebegnet einem bei South Mandu in großer Zahl

South Mandu hat nicht ganz so viel zu bieten wie andere Schnorchelspots, daher gibt es von mir nur 2,5 von 5 Seesternen!

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Osprey Bay

Die weit im Süden gelegene Osprey Bay war die größte Enttäuschung aller Schnorchelplätze. Es waren schlichtweg keine intakten Korallen vorhanden. Kurz vor Verlassen des Wasser trafen wir jedoch auf zwei Rochen, darunter ein riesiges Exemplar von über einem Meter Durchmesser, sowie einen kleinen gepunkteten Rochen der Art (engl.) Bluespotted Maskray (lat. Neotrygon kuhlii).

Tipp für Über-Wasser: Der nahegelegene Strand Sandy Bay ist mit seinem weißen Sand einer der schönsten Strände des Cape Range Nationalparks.

Bluespotted Maskray Ningaloo reef

Ein Bluespotted Maskray gleitet über den sandigen Boden bei Osprey Bay

Keine Korallen, dafür gute Chancen für die Sichtung von Rochen – Osprey Bay erhält von mir 2 von 5 Seesternen!

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Lakeside

Der in der Nähe des Visitor Centers gelegene Lakeside Strand erwies sich als guter Schnorchel-Ausgangspunkt. Kaum im Wasser, trafen wir dort auf eine Grüne Meeresschildkröte, diesmal sogar bei guten Licht- und Sichtverhältnissen unter Wasser. Desweiteren sichteten wir einen gepunkteten Rochen und einige sehr große Fische. Das Korallenriff bei Lakeside ist nicht so dicht wie bei Oyster Stacks oder am Drift Loop in der Turquoise Bay, sondern verteilt sich in Form von mehreren großen Korallenstöcken auf dem von zwei Bojen markierten Schnorchelgebiet. Lakeside zählt auf jeden Fall zu den empfehlenswerten Schnorchelspots!

green turtle Meeresschildkröte Ningaloo Reef

Diese Grüne Meeresschildkröte begegnete uns bei Lakeside

Fische blau Ningaloo Reef Korallen

Kleine Fische verstecken sich zwischen den Korallen

Meeresschildkröten, Großfische und riesige Korallenstöcke zeichnen Lakeside aus. Meine Wertung: solide 4 von 5 Seesternen!

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Das war meine persönliche Wertung der bekanntesten Schnorchelspots am wunderschönen Ningaloo Reef!

Im nächsten Beitrag entfernen wir uns von der Küste und fahren über 600 km in die eisen-rote Pilbara-Region mit dem Karijini-Nationalpark.


Die bisherigen Berichte zu unserer Reise von Perth nach Darwin:

Teil 1 : Beginn der Reise in Perth

Teil 2: Von Yanchep bis zum Kalbarri Nationalpark

Teil 3: Von Kalbarri über die Shark Bay nach Exmouth

Teil 4: Im Cape Range Nationalpark

Teil 6: Unterwegs im Outback

Teil 7: Im Karijini-Nationalpark

Teil 8: Fahrt nach Broome mit Halt am Eighty Mile Beach

Teil 9: Ankunft in Broome

Teil 10: Broome Whale Watching

Teil 11: Broome – Dinosaurierspuren und der Cable Beach

 

Meine Buch-Empfehlung für alle, die von Perth nach Darwin reisen wollen:

 

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