Von Yanchep bis zum Kalbarri Nationalpark (Australien Perth- Darwin 2015, Teil 2)

kalbarri coast limestone sandstein western australia

Im zweiten Teil meines Reiseberichts lassen wir Perth hinter uns und erreichen die ersten landschaftlichen Highlights mit der Pinnacles Desert im Nambung Nationalpark, schneeweißen Sanddünen in Lancelin und dem leuchtend roten Sandstein des Kalbarri Nationalparks.


13.07.2015: Von Yanchep nach Lancelin

Da wir am Vortag nicht mehr allzu viel Zeit gehabt hatten (die Tage sind sehr kurz wenn es schon um 18:00 Uhr dunkel ist!), verbrachten wir auch den Vormittag des 13.07. im Yanchep Nationalpark. Als erstes beobachteten wir eine Gruppe Westlicher Grauer Riesenkängurus, die auch hier in Yanchep in recht großer Zahl vertreten sind. Danach unternahmen wir noch zwei kurze Wanderungen (den Wetlands Walk und den Woodlands Walk), die jedoch außer einer an manchen Stellen interessanten Flora nichts besonderes zu bieten hatten. Vor allem nicht den erhofften Carnabys Weißohr-Rabenkakadu (engl. Carnaby’s Black Cockatoo) , der im Yanchep Nationalpark leben soll. Im Anschluss besuchten wir noch einmal die Koalas. Diesmal war sogar ein Tier wach und nur ein paar Meter entfernt. Die Eukalyptusblätter schmeckten ihm offensichtlich köstlich.

banksia

Die Pflanzen der Gattung Banksia sind typisch für den Südwesten Australiens

koala yanchep nationalpark perth

Koala im Yanchep Nationalpark

Danach fuhren wir weitere 76 km Richtung Norden bis nach Lancelin. Unterbrochen wurde die Fahrt jedoch schon kurz nachdem wir Yanchep verlassen hatten: Eine ganze Gruppe der zuvor gesuchten Carnaby’s Black Cockatoos fraß Beeren von einem Baum am Rande des Highway. Leider erwiesen sie sich als äußerst schwierig zu fotografieren und flogen ständig von einem Baum zum anderen.
Am späten Nachmittag kamen wir in Lancelin an. Der Ort ist vor allem für seine weißen Sanddünen bekannt. Für diesen Tag war es allerdings für Erkundungen schon zu spät. Wir übernachteten daher in der Nähe eines Zugangs zu den Dünen.

14.07.2015: Über den Nambung Nationalpark nach Jurien Bay

Nach dem Aufstehen liefen wir zu den besagten Dünen von Lancelin und wanderten dort ein wenig herum. Wir suchten uns einige Dünen mit schönen Sandstrukturen, die noch nicht von Reifenspuren zerpflügt waren. Der besondere Reiz dieser Sanddünen liegt vor allem im Kontrast zwischen dem weißen Sand und dem Blau des Himmels. Weiße Sanddünen wie die von Lancelin findet man auch an anderen Orten auf der Strecke von Perth nach Kalbarri, sie sind aber nicht überall so leicht zugänglich.

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Das strahlende Blau des Himmels kontrastiert mit den weißen Sanddünen

Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel, dem Nambung Nationalpark, fuhren wir spontan vom Highway ab und einige Kilometer Richtung Küste. Wir vermuteten dort einen schönen Sandstrand, da wir schon von weitem einige hohe, weiße Sanddünen vor dem blauen Meer erblickt hatten. Heraus kamen wir bei einer seltsamen kleinen Siedlung aus Wellblechhütten, die einen recht verlassenen Eindruck machte. In der umgebenden Steppenlandschaft liefen einige Emus herum. Es stellte sich als die Wedge Island Community heraus, einer Art Feriensiedlung aus etwa 350 Wellblechhütten ohne Strom- und Wasseranschluss. Da die Durchfahrt zum Strand laut Schildern nur für 4-Wheel-Drive-Fahrzeuge geeignet sein sollte, liefen wir zu Fuß die über ein Kilometer lange Piste quer durch die Siedlung. Der kilometerlange Strand von Wedge Island bestand aus dem gleichen weißen Sand wie die Dünen von Lancelin, war aber leider auch ebenso stark von Reifenspuren zerpflügt. Obwohl die Sonne nur so herunterbrannte, war es in dem starken Wind recht kalt. Wir machten eine ausgiebige Pause an diesem schönen Strand, der genauso verlassen war wie die Community.

wedge island beach white sanddunes

Wedge Island Beach

Schon bald ging es weiter zu unserem eigentlichen Ziel, den Pinnacles im Nambung Nationalpark. Die Pinnacles Desert, eine ockerfarbene, wüstenartige Landschaft übersäht von tausenden der bis zu etwa drei Meter hohen, namengebenden Sandsteinsäulen, steht wohl auf jedem Reiseplan für die Fahrt von Perth nach Darwin. Wie viele andere Touristen fuhren wir mit dem Auto auf einem Rundkurs durch das Pinnacles-Gebiet. Für das Erkunden zu Fuß wählten wir jedoch einen etwas abgeschiederen Teil der Pinnacles Desert, der vor allem aus Sanddünen besteht. Diesen Tipp hatte ich aus einem meiner Reiseführer. Hier fanden wir unberührte Dünen mit teils sehr schönen Sandstrukturen vor.

pinnacles desert nambung national park

Die Pinnacles Desert im Nambung Nationalpark

Bei Sonnenuntergang zeigen sich die Pinnacles von ihrer schönsten Seite und strahlen in warmen Gelb- und Ockertönen. Leider bedeutet Sonnenuntergang aber auch, dass man nicht mehr viel Zeit hat, um zu seinem Schlafplatz zu gelangen. Fahrten bei Nacht sollte man in Australien aufgrund der vielen Tiere (überwiegend Kängurus) eher vermeiden. Wir fuhren an diesem Tag noch bis zu einem Campingplatz in Jurien Bay, den wir pünktlich zum Anbruch der Dunkelheit erreichten.

15.07.2015: Von Jurien Bay bis zum Kalbarri Nationalpark

In Jurien Bay hatte ich mir erhofft, Australische Seelöwen zu sehen, die auf den umliegenden Inseln leben. Die Suche am Strand blieb aber leider erfolglos. Immerhin gelangen mir ein paar schöne Aufnahmen von einer Eilseeschwalbe (engl. Greater Crested Tern) und einer Gruppe Elsterscharben (engl. Australian Pied Cormorant), die sich auf einem alten Bootssteg ausruhten.  Wir blieben noch bis Mittag am schönen Sandstrand von Jurien Bay, ehe wir zu unserer ersten längeren Fahretappe aufbrachen: 350 Kilometer bis zum Kalbarri Nationalpark.

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Eine Eilseeschwalbe mit einer Elsterscharbe im Hintergrund

Erst bei Sonnenuntergang erreichten wir unser Ziel und parkten auf dem Parkplatz einer der vielen Aussichtspunkte über die zerklüftete Steilküste bei Kalbarri. Der Kalbarri Nationalpark ist vor allem bekannt für seinen bunten Sandstein, dessen Schichten bis zu 470 Millionen Jahre alt sind. Hier an der Küste haben Wind und Wetter einige beeindruckende Formationen geschaffen, denen man Namen wie Natural Bridge, Mushroom Rock oder Eagle Gorge gegeben hat. Von all dem sahen wir an diesem Tag zwar nichts mehr, dafür hatten wir einen spektakulären Sternenhimmel. Es war Neumond und aufgrund der sehr dünnen Besiedlung der australischen Westküste herrschen dort beste Bedingungen für Sternenbeobachtung. Einen so guten Blick auf die Milchstraße hatten wir bisher an keinem anderen Ort gehabt. Ich versuchte mich ein bisschen an Astrofotografie. Heraugekommen ist unter anderem das folgende Bild:

campervan starry sky western australia

Campervan unter Sternenhimmel

16.07.2015: Kalbarri Nationalpark Tag 1: An der Küste

Über Nacht war es ziemlich stürmisch geworden. Auch am Vormittag hatten die Böen noch Orkanstärke und es war entsprechend kalt. Erst gegen Mittag wurde das Wetter besser und wir starteten mit einer ersten kurzen Wanderung zum sogenannten Island Rock. Kaum als der Wind etwas abgeklungen war und die Sonne wieder schien , bekamen wir es mit Buschfliegen in großer Anzahl zu tun. Diese Biester sind zwar extrem nervig, da sie einem unentwegt ins Gesicht fliegen, aber im Gegensatz zu den neuseeländischen Sandflies beissen sie immerhin nicht!
Als nächstes fuhren wir zum Parkplatz von Pot Alley. Hier kann man die Klippen nicht nur von oben bestaunen, sondern auch durch eine Schlucht zu einem Strand hinuntersteigen. Unten angekommen erwartete uns eine überaus beeindruckende Szenerie aus rötlich leuchtenden Sandsteinplatten und dem blauen, aufgewühlten Meer. Wir verweilten sehr lange auf den Felsen, die den Strand umrahmten und ich war fast durchgängig mit Fotografieren beschäftigt. Kurz tauchte sogar ein Seelöwe in der Bucht auf, der allerdings sofort wieder verschwand ohne dass ich ein Foto machen konnte.

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Die roten Sandsteinklippen bei Pot Alley, Kalbarri-Nationalpark

Die letzte Station des Tages war die nur wenige Kilometer entfernte Eagle Gorge. Auch hier kann man zu einem kleinen Sandstrand hinabwandern. Hier beendeten wir den Tag mit einem australischen (Surfer-)Bier und Blick auf den Sonnenuntergang über dem Indischen Ozean.

17.07.2015: Kalbarri Nationaltag Tag 2: Am Murchison River

Nach dem Aufstehen fuhren wir ca. 10 Kilometer in die Ortschaft Kalbarri, zur Pelikan-Fütterung, die dort jeden Morgen um 8:45 Uhr stattfindet. Der Andrang war ziemlich groß, da gerade Ferienzeit war. Sieben Pelikane erschienen pünktlich, um sich ihren Fisch abzuholen und blieben auch danach noch einige Zeit vor Ort, sodass ich einige gute Fotos schießen konnte.

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Die Pelikan-Fütterung in Kalbarri

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Nach der Fütterung ruht sich einer der Vögel am Strand aus

Gegen Mittag fuhren wir weiter zur eigentlichen Hauptattraktion des Kalbarri Nationalparks, der Schlucht um den Murchison River.
Um zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zu gelangen, mussten wir zuerst über einige Kilometer ungeteerte Straße fahren. Hier bekamen wir es zum ersten Mal mit einer der berüchtigten australischen Wellblechpisten zu tun. Nahezu die gesamte Strecke war von steinharten Bodenwellen übersäht, sodass es unseren Van ordentlich durchschüttelte. Das Scheppern während so einer Fahrt klingt gruselig, kommt aber fast ausschließlich aus den Schränken und sonstigen Interieur. Dennoch fuhren wir aus Sorge um den Campervan nur äußerst vorsichtig.
Am frühen Nachmittag starteten wir schließlich unsere Wanderung auf dem The Loop Track (9 km). Der Weg führt zuerst vorbei an einer Aussichtsplattform auf den von Sandbänken durchzogenen Wasserlauf des Murchison River und der durch Erosion entstandenen Felsformation Nature’s Window. Der weitere Weg verlief zunächst oberhalb der Schlucht, ab der Hälfte dann auf dem Grund der Schlucht. Der Abschnitt auf dem Grund war ganz klar der schönere Teil, bis auf eine schwierige Stelle an den Sandsteinfelsen direkt zu Beginn. Die Felswände bestehen aus dem gleichen roten Gestein wie an der Küste südlich von Kalbarri. Da wir zu einer eher ungünstigen Zeit losgewandert waren (am frühen Nachmittag) bekamen wir auf den von der Sonne aufgeheizten Felsen einen Eindruck davon, wie heiß es in diesem Teil Australiens werden kann.  Schilder mahnen zur Mitnahme von ausreichend Trinkwasser, denn im Sommer erreicht die Temperatur auf dem Wanderweg locker 50°C.

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Blick in die Murchison River Gorge im Kalbarri Nationalpark

Aufgrund der Hitze und den obligatorischen Fotostopps kamen wir nur relativ langsam voran (Schnell-Wanderer waren wir auch noch nie!), wodurch wir im letzten Drittel des Weges etwas in Bedrängnis kamen: Die Sonne sank immer tiefer und wir mussten es vor Anbruch der Nacht unbedingt noch rechtzeitig zurück zum Parkplatz schaffen. Natürlich hatte niemand daran gedacht, zur Sicherheit eine Taschenlampe mitzunehmen. So liefen wir im Eilschritt durch die schöne Murchison River Schlucht, die nach und nach von immer mehr Bergkängurus (engl. Common Wallaroos) , auch Euros genannt, bevölkert wurde. Die Hitze des Tages hatten die Euros irgendwo an geschützten, schattigen Plätzen verbracht. Nun kamen sie alle hervor, um zu fressen und am Fluss zu trinken. Einige Minuten lang beobachteten wir ein Euro-Weibchen mit einem Joey im Beutel. Leider war die Dämmerung schon zu fortgeschritten, um noch weitere Kängurus zu fotografieren bzw. filmen.

Wieder oben beim Nature’s Window angekommen, staunten wir nicht schlecht, als uns zu dieser Uhrzeit noch eine asiatische Familie entgegenkam. Obwohl sie noch eine lange Rückfahrt vor sich hatten (ihre gemietete Limousine ließ darauf schließen), war es ihnen offensichtlich sehr wichtig, diese Sehenswürdigkeit noch abzuhaken. Der Tag will ja auch sinnvoll genutzt werden – buchstäblich bis zum letzten Lichtstrahl!

In letzter Sekunde erreichten wir schließlich unseren Campervan auf dem Parkplatz. Minuten später war es bereits stockdunkel.

Euro Wallaroo Kalbarri National Park Bergkaenguru

Ein Euro mit Jungtier


Weitere Berichte zu unserer Reise von Perth nach Darwin:

Teil 1 : Beginn der Reise in Perth

Teil 3: Von Kalbarri über die Shark Bay nach Exmouth

Teil 4: Im Cape Range Nationalpark

Teil 5: Schnorcheln am Ningaloo Reef

Teil 6: Unterwegs im Outback

Teil 7: Im Karijini-Nationalpark

Teil 8: Fahrt nach Broome mit Halt am Eighty Mile Beach

Teil 9: Ankunft in Broome

Teil 10: Broome Whale Watching

Teil 11: Broome – Dinosaurierspuren und der Cable Beach

 

Meine Buch-Empfehlung für alle, die von Perth nach Darwin reisen wollen:

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